Therapeutic Touch – die Wirkungsweise

Therapeutic Touch stellt einen intensiven Kontakt zwischen Behandler und Klienten her.

Energiebalance für Wohlbefinden

Die ausgleichende Energieverteilung im Organismus des Klienten führt zu einem Zustand des Wohlbefindens. Kontakt und Berührung werden zum Katalysator für die körperlichen Prozesse der Selbstregulation und Selbstheilung. Anspannung, negative Gedanken, Ver­stim­mungen, Schmer­zen, Krank­heiten, emotionale Belastung, d.h. alles, was uns passiert oder was wir tun, greift in unser (energetisches) Gleichgewicht ein.

Wir nehmen im Alltag nur die Symptome wahr: Angst, Druck, Anspannung, Schmerzen usw. Was liegt also näher als auch auf der energetischen Ebene, die wir über den stofflichen Körper hinaus wahr­neh­men können, eine Harmonisierung zu versuchen und die gesunde Balance wieder­her­zustellen? Drauf reagieren Körper, Psyche und Geist immer positiv, denn das ist unser „Normalzustand“.

Therapeutic Touch ist eine ergänzende Methode, die vorbeugend und unterstützend angewendet wird. Sie ist jederzeit mit anderen Methoden, Behandlungen und Therapien kombinierbar. Sie diagnostiziert nicht und ersetzt keine ärztliche verordnete Therapie.

Heilkraft der Hände und Weisheit des Körpers

Die heilsame Kraft der Hände Therapeutic Touch wende ich nicht gezielt gegen eine Beschwerde oder eine bestimmte Krankheit an wie ein Medikament. Unsere Hände haben eine natürliche Heilkraft, wenn wir sie bewusst wirken lassen. Ihre wohltuende Wirkung veranlasst unseren Körper dazu, Glückshormone und Heilbotenstoffe auszusenden. Es ist die Berührung einer erfahrenen Behandlerin, wirkt jedoch wie die liebevolle Berührung eines nahen, Sicher­heit gebenden Menschen.

Unser Körper hat eine Weisheit, die wir entfalten können, das ist seine Selbstheilungs­kraft. Die absichtslose bewusste Berührung aktiviert seine Selbstheilungskräfte und stärkt das Immun­system. Die Berührung der Hände wirkt harmonisierend und unterstützend auf das selbstregulierende System unseres Organismus. Sie regt den Körper dazu an, besser mit Krankheiten und Belastungen fertig zu werden. Die Erfahrung der Behandler und ihr Wis­sen über körperliche Reaktionen erlaubt es, ihre Hände harmonisierend einzusetzen.

Anwendungsfelder

Therapeutic Touch verstehe ich als begleitende wohltuende Behandlung bei Beschwerden, die keine ärztliche Diagnose oder Therapie erfordern und als unterstützende Methode bei ärztlich verordneten Therapien.

Ist jemand z. B. an Krebs erkrankt und unterzieht sich einer Operation mit anschließender Chemotherapie, so führt die regelmäßige und häufige Anwendung von Therapeutic Touch dazu, mit allen Nebenwirkungen besser umgehen zu können. Die Linderung oder die Heilung vollbringt jedoch der erkrankte Organismus selbst. Therapeutic Touch unterstützt darin, die Wundheilung zu beschleu­nigen, mit Schmerzen besser umgehen zu können, Ängste, die mit dieser Diagnose immer verbunden sind, besser bewältigen zu können, die Nebenwir­kungen der Chemotherapie zu lindern usw. Dies geschieht durch die Aktivierung der körper­eigenen Fähigkeit zur Selbstheilung.

In einer Therapeutic Touch-Sitzung leite ich auch die Angehörigen meiner Klienten gern an, die wohltuende Berührung zuhause zu geben.

Fazit

Therapeutic Touch wirkt nicht gezielt spezielle Krankheiten oder ihre Symptome. Die Methode führt eine heilsame Energiebalance im Körper herbei. Diese ermöglicht die Frei­setzung und Wirkung der Selbstheilungskräfte wie in einem gesunden Organis­mus. Der Körper arbeitet mit seiner inneren Weisheit zur Selbster­haltung und Selbstregulation. Copyright © Angelika Wichert 2019 Wer die F.M. Alexander-Technik kennt, kann sich vorstellen, welche besondere Wirkung eine Verbindung beider Methoden erzielt.

Links und Literatur

https://www.therapeutic-touch-netzwerk.de/ Faulstich, Johannes: Das Geheimnis der Heilung – ARD am 15.12.2010, als DVD im Handel, s. https://www.youtube.com/watch?v=2UxiF78Em3k, Rev.05.12.19

Bartolomay, Vera: Heilsame Berührung – Therapeutic Touch: Beschwerden lindern – Heilkräfte aktivieren – Lebensenergie stärken. Das ganzheitliche Praxisprogramm. München, Integral 2015

Krieger, Dolores: Therapeutic Touch. Die Heilkraft unserer Hände. Verlag Aller, Bielefeld 1995

Krieger, Dolores: Deine heilenden Hände. Die Heilmethode Therapeutic Touch, Verlag Hugendubel, München 2002

Always online – immer unter Strom?

Mit Stress leben

In meine Praxis kommen immer mehr Menschen, die – wie sie selbst sagen – „Stress haben“. Die meisten von ihnen sind jung, haben einen Beruf, eine Anstellung und ein soziales Netz.

Es scheint, dass wir die Vorstellung aufgeben müssen, in der vor allem ältere Menschen, Menschen in Führungspositionen mit 60-Std-Woche oder die alleinerziehende Mutter mit Vollzeit­stelle Stresssymptome zeigen.

Eine 25-Jährige Angestellte beispielswese hat solche Rücken­schmer­zen, dass sie sichzeitweise kaum bewegen kann. Ihr Leben und ihr Alltag scheint völlig „normal“. Die Ursache der Schmerzen hat noch niemand feststellen können.

Kiefer-, Nacken- und Schulterverspannungen, Rücken­schmer­zen, ein Gefühl von Schwere und Belastung sind die häufigsten Beschwerden, die meine Klientinnen und Klienten dazu bringt, „jetzt etwas für sich zu tun“.

Menschen kommen mit diesem Motiv zu mir: Sie haben das Gefühl, etwas für sich tun zu müssen und etwas Neues probieren zu wolllen. Sie können aber nicht genau sagen, was ihnen fehlt bzw. was sie haben. Sie empfinden ein diffuses Unwohlsein angesichts ihrer Lebenssituation und ihres Alltags; Sie spüren, dass ihr Körper eine Grenze setzt und dass sie auf dieses Signal achten sollten. Sie wissen aber nicht, wie sie darauf reagieren sollen.

Stress – Stressor – Stressreaktion

Unser Körper reagiert mit Stress(-reaktionen) auf belastende Ereignisse in seiner Umgebung oder auf unsere Gedanken im Kopf. Die Faktoren, die in unserem Körper Stressreaktionen auslösen, werden Stressoren genannt.

Stressoren sind heute z.B. Lärm, Zeitdruck, Überlastung, Beziehungs­konflikte usw.

Allgemein sind Stressoren belastende Situationen, Probleme – oder die Sorgen, die wir uns machen – letztlich „stress“ uns unsere (negative) Bewertung der Ereignisse.

Alle Menschen reagieren ganz unterschiedlich. Was für die einen ein „stressendes“ Ereignis ist, bewerten die anderen als Herausforderung. Einige bewältigen große Belastungen über einen langen Zeitraum hinweg gut, andere fühlen sich nach kurzer Zeit überfordert und verbraucht.

Wie wir auf „belastende Ereignisse“ reagieren und wieviel davon wir vertragen, ist individuell völlig verschieden.

Jemand, der seinen Arbeitsplatz verliert, kann das als Chance sehen sich beruflich zu verändern, sich eine neue Stelle suchen oder etwas ganz anderes ausprobieren.

Für den anderen ist der Arbeitsplatzverlust eine „Katastrophe“ und er glaubt, keine Chance mehr zu haben und ohne Perspektive zu bleiben.

Ob Ereignisse Stressreaktionen in uns auslösen oder chronische Stresssymptome, hängt von diesen Faktoren ab:

1. von unserer individuellen Bewertung der Ereignisse

2. von unserem Selbstvertrauen, unserer Selbsteinschätzung

3. von unseren Bewältigungsstrategien

4. von der Dauer der belastenden Situation

Typische Stresssymptome

Als belastend und schwierig bewertete und empfundene länger andauernde Situationen führen zu typischen Stresssymptomen:

Magenschmerzen, Darmbe­schwerden, Augenlidflattern, hohe Reizbarkeit, Nervösität, Schlafstörungen, chronische Muskelverspannungen und Schmerzen.

Unter extremer körperlicher und seelischer Anspannung „beißen wir die Zähne zusammen“ – Bruxismus ist der Fachbegriff für das unbewusste nächtliche Zähneknirschen. Am Morgen tun Kiefer und Kopf weh. „Es sitzt uns etwas im Nacken“ und „bereitet uns Kopfzer­brechen“.

Wir ziehen oft den Kopf ein, wir ducken uns, um Stress auszuweichen und gewöhnen uns so Fehlhaltungen an, die zu Beschwerden führen können.

Wenn wir nicht in der Lage sind, Stressoren zu vermeiden, zu reduzieren oder konstruktiv mit ihnen umzugehen, kann das zu chronischer (Nacken-)Spannung und Verspannung in Nacken, Kopf und Schultern, Erschöpfung (Burnout), Schmerzen im Bewegungsapparat und Depressionen usw. führen.

Die automatische Stressreaktion des Menschen

Die instinktive Stressreaktion läuft automatisch ab, wenn wir eine Situation, ein Ereignis als „stressig“ empfinden. Sie ist eine angeborene und nützliche kör­perlich-­psychische Reaktion unseres Organismus, der unseren Vorfah­ren das Überleben sicherte. In Gefahrensituationen bereitete sie den Körper sicher darauf vor anzugreifen oder zu fliehen.

Angesichts einer „Gefahrensituation“, (Stressor) wird das Hormon Adrenalin ausgeschüttet. Es sorgt dafür, dass dem Körper genug Energie zur Verfügung steht, um mit einer „Gefahr“ umzugehen und -je nach Bewertung der Situation- anzugreifen oder zu fliehen.

Die Adrenalinausschüttung initiiert eine Kette von Reaktionen:

Sie sorgt u.a. für die Weitung der Atemwege, die Beschleunigung der Atmung, für eine bessere Sauerstoffauf- nahme, die Erhöhung des Blutdrucks und des Herzschlags, die Vorbereitung (Anspannung) der Muskulatur für den Angriff oder die Flucht. Die Muskeln werden in Abwehrstellung (Kampf) gespannt, sodass wir sprungbereit und für einen (Nah-)Kampf aktiviert sind oder die Flucht antreten können.

Dieser Reaktionsmechanismus wird auf einen Stimulus hin ausgelöst. In früheren Zeiten war die Dauer der Stressreaktion kurz. Entweder war die Flucht gelungen oder nicht, der Kampf gewonnen oder verloren.

Die extreme Energie, die eine Flucht oder den erfolgreichen Kampf ermöglichte, wurde durch die körperliche Anstrengung (Kampf / Flucht) entladen. Der Organismus kam danach wieder zur Ruhe und konnte entspannen.

In unserer Gesellschaft gibt es

1. vor allem andauernde Stresssitu­ationen und

2. diese erfordern keine „Abwehrkämpfe“ mehr

Die Stressreaktion wird jedoch immer noch und immer bei belastender Umwelt (Stress) automatisch in Gang gesetzt.

Vor allem diffuse und ständig verspürte Ängste und Panikgefühle gehören zu den modernen Stressoren. Menschen, die zu mir kommen, bemerken nach einiger Zeit unserer Arbeit oft erst, dass sie eigentlich stänfig in Angst leben: Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor der Arbeit wegen Konflikten oder Mobbing am Arbeitsplatz, Angst vor Krankheit, Alter, Tod, Umweltkatastrophen, Angst vorAlleinsein und Isolation, Angst vor Armut. Die Berichterstattung in den Medien schürt diese Ängste und bestätigt sie.

Sie wirken subtil und da sie als solche nicht immer sofort klar zu benennen sind, ist es schwer, konstruktiv und wirksam damit umzugehen.

Die instinktive Stressreaktion mobilisiert den Körper für ein Verhalten, das in den meisten Fällen nicht (mehr) angemessen ist.

Die meisten Belastungen sind mit einem „Nahkampf“ nicht zu bewältigen, auch nicht mit Flucht. Es werden aber extreme Emotionen wie Aggression/Wut oder Angst ausgelöst.

Sie werden Ihren Chef oder Ihre KollegInnen, von denen Sie sich gestresst fühlen, nicht tätlich angreifen. Die Flucht aus dem gefühl der Unterlegenheit hilft Ihnen auch nichts. Unsere modernen Gegner sind meist in unmittelbarer Nähe.

Wenn die Endreaktion „Flucht“ oder „Kampf“ nicht mehr stattfinden und wir keine andere abreagierende Strategien haben, wird diese extreme Energie nicht mehr entladen. Der Adrenalinpegel bleibt erhöht, die Muskulatur angespannt, der Organismus auf Hab-Acht-Stellung. Die älteren Strukturen des Gehirns bekommen ständig das Signal, dass eine „Gefahr“ droht und geben das wiederum u.a. als Aufforderung zur Adrenalinausschüttung und Anspannung an die Muskulatur weiter, sodass das Gehirn die Information erhält, dass eine Gefahr droht – ein Teufelskreis entsteht. Die Muskulatur entspannt nicht mehr, der Körper kommt nicht mehr zur Ruhe.

Die mobilisierte Energie versorgt unseren Bewegungsapparat und innerviert die Muskelstränge beiderseits der Wirbelsäule. Wird die Energie wiederholt aufgestaut und nicht durch die entsprechenden extremen Bewegungen entladen, sind Rückenschmerzen oft die Folge.

Akzeptierte Mittel um aufgestaute Energie zu entladen sind Joggen, Fitness, Sport im Allgemeinen, lachen und schreien drücken Emotionen direkt aus. Nach der „Entladung“ kann der Körper erholen.

Diese Mittel lösen aber das Problem der Stressbewältigung, d.h. die Bewältigung des uns belastenden Berufs oder Alltags nicht, sie sind lediglich der „Ausgleich“, der auf Raten von Gesundheitsexperten schon vor 30 Jahren in die Freizeit oder in Therapiestunden verschoben wurde.

Lachen in zivilisierter Form ist gestattet in adäquater Form und Umgebung; vor Wut oder Angst zu schreien, ist schon schwieriger; Gefühlsausbrüche sind meist „Privatangelegenheit“.

Unsere Umwelt verändert sich schnell. Statistiken der Krankenkassen und die Fehlzeiten in den Unterneh­men belegen, dass die Zahl von Erkrankungen wie Burnout, Depression und Rückenschmerzen die Konsequenz unserer Reaktionen auf die momentane gesellschaftliche Situation sind.

Eine große Rolle spielt unser Kommunika­tionsverhalten, Handy, Tablet, Social Media – wir sind always online und immer erreichbar.

Der Umgang mit den modernen Kommunikations­mitteln will aber gelernt sein.

Abgrenzung – STOPP

Meiner Erfahrung nach sind es meist die weniger Abgegrenzten mit hoher Leistungsbereitschaft, die schnell und dauerhaft Stress­symptome zeigen und solangeaushalten bis ihnen Ruhe und Entspannung dauerhaft fehlt und sie chronische Beschwerden und Krankheiten haben.

Ist der Körper ersteinmal auf Hochtouren getrimmt, kann er gar nicht mehr einfach so abschalten und regenerieren. Der organische Wechsel von Anspannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe ist grundlegend gestört.

Unsere instinktive Stressreaktion führt uns in einen Teufelskreis, der zu immer mehr Anspannung, und sinnlosem Energieverbrauch führt. Dabei hilft sie uns überhaupt nicht. Sie taugt nicht für die Art moderner Belastung und frisst trotzdem unsere Kraftreserven auf.

Statt mit der automatischen Stressreaktion in eine Situation zu gehen, müssen wir differenziert reagieren.

Dazu braucht es eher ein „Zurücktreten“ und Distanz gewinnen zu dem, was uns stresst.

Das hat den Sinn

1. das „Hochfahren“ unseres Systems zu verhindern,

2. zu erkennen, was uns da stresst.

3. zur Ruhe zu kommen, uns in Ruhe zu lassen,

4. unser Nervensystem herunterzufahren, indem wir keine Information mehr geben

STOPP zum, um aus dem Teufelskreis auszubrechen und eine Pause einschieben zwischen dem Reiz (Stressor) und der automatischen Reaktion darauf.

Es ist wie ein Reset des PC, die Prozesse werden auf 0 zurückgesetzt, um von dort wieder neu zu beginnen.

Hatte die Stressreaktion in früher Vorzeit die Funktion, die Aufmerksamkeit zu erhöhen, die Sinne zu schärfen für die Überlebenshandlung, so „tut“ sie uns heute das Gegenteil an.

Der hohe Stresspegel macht uns kopflos und wir können unsere Handlungen gar nicht mehr bestimmen, geschweige denn entscheiden, was wir jetzt am besten tun sollten.

Anzuhalten bedeutet, nichts zu tun als Ihren Impulsen nicht nachzugeben. Egal, ob diese von außen oder innen kommen.

Sie halten an. Sie reagieren nicht.

Die automatischen Reflexe sind stark. Sie antworten aber nicht darauf, Sie reagieren nicht.

Nehmen Sie wahr, was in Ihnen passiert.

Wie fühlt sich das an? Wie fühlen Sie sich?

Nehmen Sie Ihren Körper wahr.

Nehmen Sie immer Ihre Füße auf dem Boden wahr.

Atmen Sie ein, atmen Sie aus und beobachten Sie wie Sie ein- und ausatmen.

Die Atmung beruhigt sich und iwrd tiefer.

Der regelmäßige Rhythmus Ihres Atems beruhigt Sie.

Das Nervensystem ist ruhig.

Beobachten Sie, wie Sie sich fühlen.

Bei Spannung hilft nur eins: Entspannung!

Das Heraustreten aus dem Teufelskreis, den der wiederholte Ablauf der automatischen Stressreaktion bewirkt, ist der erste Schritt zur Entspannung. Das Anhalten unserer Reaktion auf die „Stressoren“ oder den eigenen inneren Aufruhr lässt uns zur Ruhe kommen.

Wir können klarer wahrnehmen und denken, Entscheidungen treffen und Bewältigungsstrategien oder Lösungen entwicklen.

Aktive Entspannungstechniken

  • lösen Verspannungen und beruhigen.
  • schulen die Körperwahrnehmung.
  • helfen, in Stress-Situationen die körperlich-emotionale Erregung abzubauen.
  • machen Sie belastbarer und erhöhen Ihre Stresstoleranz.
  • helfen Ihnen, langfristig gelassener und zufriedener zu werden.
  • verringern bereits bestehende psychosomatische Beschwerden wie Spannungskopfschmerzen, Herz- oder Kreislaufstörungen
  • helfen bei chronischen Beschwerden.
  • können Sie als Soforthilfe in akuten Stresssituationen einsetzen.

Angelika Wichhert

E-Motion in der Alexandertechnik

E – Motion in der F.M. Alexandertechnik

Im Jahr 2005 nahm ich bei Irmel Weber Stunden in der F.M. Alexandertechnik. Diese ersten Er­fah­rungen mit der Alexandertechnik fielen in die Zeit, in der ich ein Thema für mei­ne Di­plom­arbeit im Rah­men meiner Ausbildung zur Psychologischen Beraterin suchte. Die Analo­gien zwischen den systemischen Ansätzen in der modernen Psycho­logie und dem, was ich in den Einzelstunden selbst erfuhr, faszinierten mich so, dass ich mich inten­si­ver damit be­schä­f­­tigen wollte. In der Haltung zur folgenden zentralen Fragestellung der Psychologie „Wie ent­stehen die tiefsitzenden Ge­fühle, die uns als Automatismen ‚krank‘ machen und un­se­re Lebens­qualität beeinträchtigen?“ gibt es einen Konsens, der psychologische Ansätze un­ter­schied­li­cher Her­kunft ver­eint. Diese Modelle basieren auf dem Konzept der Ganz­heit­­lich­keit stellen Selbst­­be­­stim­mung, Eigen­verant­wor­tung und Entschei­dungs­ver­mö­gen des Men­schen in den Mittel­punkt. Mein Interesse galt den Gemein­sam­­keiten von Alexan­der­tech­nik und den sys­­­te­­­­­mischen Modellen als Werk­zeu­ge der Psy­cho­logischen Beratung. Ich machte mein Interesse daher zum Thema meiner Diplomarbeit:

„Psychologische Bera­tung & F.M. Alexandertechnik – Wir haben die Wahl – Zu den Analo­gien in der Theorie, Methodik und Wirkungsweise von F.M. Alexandertechnik & Psycho­lo­gi­scher Beratung am Beispiel des Modells des Inneren Teams

Ich wählte danach die Ausbildung zur Lehrerin für Alexander­technik. Alexander hatte die we­sen­t­­lichen Erkennt­nisse, die ich an den neueren Ansät­zen der Psychologie so schätz(t)e, for­mu­liert, an sich selbst erprobt und in der Alexander­technik methodisch um­ge­setzt. Gegen En­de meiner Aus­bil­dung bildete sich auch meine Über­zeu­gung aus, zu­künftig als Leh­rerin für Alexan­dertechnik und das hilfreiche psychologische Wissen bei meiner Arbeit einzu­setzen. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war, dass das wesentliche Mit­tel für die Ver­­mitt­lung der Alexandertechnik und den Unterricht m. E. die Ar­beit mit dem Händen ist, da­­ne­ben natürlich auch die verbalen Anweisungen, Erläu­te­rungen und das Gespräch zwi­schen LehrerInnen und SchülerInnen.1

  • Die Hände fungieren u.a. als „Spiegel“, um den Schülern eine Rückmeldung über Kör­­pergrenzen, Span­nungszustände und Haltungen zu geben. In der Beratung wer­den Tech­­niken ein­gesetzt, um Aussagen oder Stimmungen der Klien­ten zu „spiegeln“ und be­wusst zu machen.
  • Die Hände transportieren Informationen und stellen eine Beziehung zwischen Lehrer und Schüler her. Im Beratungsprozess ist es der Rapport, die vertrauens­volle und wert­­­­schätzen­de Beziehung zwischen Beratenden und Klienten.
  • Die Hände initiieren und tragen den feinen Dialog zwischen Lehrerin und Schü­lerin, sie kom­munizieren mit dem Organismus des Schülers, geben Impulse, der Schüler „ant­wortet“ darauf und der Lehrer „antwortet“ usf.
  • Die Hände geben dem Schüler durch­gängig Unterstützung und Rückmeldung, die der Klient in der Beratung durch die einfühlende Beobachtung des Beraters und das Setting erhält.

Durch die Be­rührung mit den Händen, über den kin­ästhe­tischen Sinn, wird den Schülern ihr realistisches Kör­per­sche­ma „zurückgegeben“, ihre Körpergrenzen, -haltungen, Bewe­gungen und Spannungs­zu­stän­de spürbar und bewusst. Die Alexandertechnik als Metho­de betrifft alle Ebenen des Menschseins, ihre Vermittlung und Anwendung lässt Prozesse auf der kör­perlichen, emotionalen und geistigen Ebene fühl­bar werden, zur Sprache bringen und be­wusst werden, um alle Ebenen organisch auf­ein­an­der zu beziehen.

Psychologische Beratung setzt an den Emotionen der Klienten an. Die Emotionen sollen re­ak­­­tiviert und erfahr­bar werden, ihre Wechsel­wirkung mit dem Denken und Handeln wird zum Thema. Trotz der Inte­gra­tion erlebnisakti­vierender oder psycho­dra­matischer Ele­­mente in den Beratungs­pro­zess, die Beach­tung non­verbaler Aus­drucks­wei­sen wie Gestik und Mimik im Verhältnis zu sprachlichen Äußerungen und ihre Thematisierung, ist die dominante Ebene in der Beratung die Sprache.

Eva Wagendristel

Die Alexander­technik setzt am Kör­per an und erreicht über den kinästhetischen Sinn den ganzen Menschen. Über die Sinne empfangen wir Eindrücke und Bilder, der Ver­stand ar­bei­tet erst, wenn die Sinne ihm etwas anbieten. Die Alexandertechnik ba­­siert auf der Er­­fahrung Alexan­ders,

dass der kinästhetische Sinn durch gewohnheitsmäßigen Fehl­gebrauch unzuverlässig ge­worden ist. Die automatische Einmischung in das natürliche Funk­tionieren der Primärkontrolle führt zur verzerrten Selbstwahrnehmung. Der zur Ge­wohn­heit ge­wordene Fehlgebrauch beein­flusst unsere Beziehung zu unserer Innenwelt und zu un­serem kinästhetischen Sinn.2

Der kinästhetische Sinn ist der erste Sinn, die Haut das erste und wichtigste Wahrneh­mungs­organ, mit dem wir im Mut­­terleib unsere Umwelt erfahren, später mit den Händen be­greifen. Danach bil­den sich die an­deren Sinne aus. Parallel entwickelt sich das Gehirn und bildet aus den indi­viduellen Erfahrungen im Laufe des Lebens seine neuronalen Netzwerke aus der Verar­bei­tung von Sinnesreizen, damit verbundenen Emotionen, Bewer­tungen, Reak­tio­nen, ihrer Diffe­renzierung und kogni­tiven Verarbeitungsprozessen.

Die Alexandertechnik setzt „am Ursprung“, an der kinästhetischen Erfahrung an, an den Kö­per­­­prozessen und Anspannungen, die direkt mit den Emotionen verbunden sind. Die Auf­merk­­samkeit der Schüler wird auf Körperprozesse, Bewegungsprozesse und –muster ge­lenkt. Der „Dialog“ zwischen Lehrenden und Schülern konzentriert sich auf den Zusam­menhang zwischen Sinneswahrnehmung und Bewegungsprozessen und –mustern. Die bewus­ste Wahr­neh­mung der Emotion ermöglicht ihre Formulierung, das Gefühl, den Ge­dan­ken und zugrunde ­liegende Vorstellungssysteme als Motor des Handelns.

„Inhibition“ eröffnet den Raum, die Identifikation mit den automatisch ablaufenden Pro­zes­sen und Reaktionen aufzulösen, Abstand zu gewinnen und das, was ist, bewusst wahr­zu­neh­men und zu akzeptieren.

„Direction“ ermöglicht das bewusste Heraustreten aus dem eigenen System, das Vorstellen der Alternative als „Probehandeln“, um dann bewusst in die Bewegung, d.h. ei­nen anderen Weg zu gehen. Die Vorstellung von einer Tätigkeit ruft immer verschie­denste Körper-, Denk- und Gefühlsprozesse ab, die an diese Vorstellung geknüpft und im ZNS gespeichert sind. „Direction“ ist die bewusste Wahl der gewünschten Vorstellung.

Sensomotorik und verbale Ein­flüsse und Indoktrinationen sind die we­sent­lichen Fak­to­ren für die Bildung un­serer Selbst­­­konzepte. Ungünstige Selbst­­konzepte steh­en unserer Ent­wicklung, Ge­sundheit und Le­­­bens­qua­lität im Weg.

Eva Wagendristel

Eine Methode, die auf beiden Ebe­nen arbeitet und auf eine Ver­än­­­­derung der neuronalen Schaltkreise abzielt, scheint mir am besten ge­eig­net, Denken und Fühlen umzu­struk­turieren und damit echte Verhaltens­veränderung zu be­­­­wirken. Der Organismus selbst ist „Psycho­lo­gi­scher Bera­ter“, Kompass für eine klare (Selbst-)­­Wahr­nehmung, für die eigenen Emotionen und authentisches Füh­len, Denken und Han­deln.

Vo­r­aus­­setzung da­für ist, dass wir seiner Funk­tionsweise ent­sprechend mit ihm um­­gehen, seine Bot­schaften ver­stehen und darauf be­wusst ant­­worten – in Be­zug auf uns selbst, auf die anderen, auf das, was wir tun und wie wir es tun.

Der Mensch ist eine psycho-physische Einheit

F.M. Alexander ging von der Einheit motorischer und mentaler Prozesse aus und arbeitete mit der Überzeugung, dass wir jeden Gedanken, jedes Erlebnis, jedes Gefühl – alles – in Mus­­­kel­­­­span­nung umsetzen.  Das Unterlassen überflüssiger muskulärer Spannung hat um­ge­­kehrt Auswirkungen auf den ganzen Menschen, sein Denken, Fühlen und Handeln. Dies ist eine Erkenntnis, die in der modernen Psychologie zunehmend wichtig wurde.

“Geist und Körper sind keine separaten Einheiten. Krankheiten oder Störungen können des­halb nicht als körperliche oder geistige ein­ge­teilt und als solche behandelt werden. Daher muss jeder Schulung die unteilbare Einheit des mensch­lichen Organismus zugrunde lie­gen… .3

Die Körperhaltung und das Verhältnis zu ihr hat Einfluss auf das gesamte psychophsysische Be­finden einer Person. Jede ein­zelne Aktivität betrifft den Men­schen als Ganzes. Ent­spre­chend ist das Selbst die Ganz­heit kognitiver, emotionaler und physischer Vor­gänge und Zu­stände. Der Gebrauch des Selbst ist die Haltung des Körpers als Kon­sequenz des Ge­brauchs, die so­wohl die Beziehung aller ein­zelnen Teile zueinander als auch die Wechsel­­­wir­kung kogn­itiver, emo­tionaler und physischer Prozesse und Zustände umfasst so­wie unsere Hal­­­tung zu unse­rem Körper, zu uns selbst.

E. Wagendristel

Der Gebrauch des Selbst ist Ausdruck der see­lischen Ver­fassung und emotionalen Hal­tung einer Person als Ganzheit. Er bildet Charakter­dis­positio­nen, Selbstkonzepte, Wahr­neh­mun­gen und Hal­tungen ab. Und: Nur in einem be­stim­­mten Gebrauch sind auch die ent­spre­chen­den Selbst­konzepte, un­­­se­re Wahr­neh­mung, Hal­­­tun­gen und Emotionen möglich; nur durch diesen Ge­brauch kön­nen sie sich verfes­ti­gen und fort­set­zen: Sie werden zu Ge­wohn­heiten.

„Viele gewohnheitsmäßige Hal­tun­gen drücken nicht unmittelbar eine Emotion aus, son­dern sind viel­mehr eine Position, aus der heraus be­stim­mte Verhaltensweisen und Emo­­ti­on mög­lich sind.“4

Der falsche Gebrauch in Form schlechter Ge­wohnheiten ist die Konsequenz viel tiefer ge­hen­der ungünstiger Pro­zesse, welche die ganze Person mit einbeziehen. Gefühls­zustände wie Angst, De­pression haben ihre Entsprechung in der Art und Weise des Zusam­men­­spiels mit bestimmten Konfigura­ti­onen der Muskulatur. Diese entstehen durch emotio­nale Reak­tionen und durch den Einsatz unseres Körpers in sich wie­derholenden Ar­beits­situ­a­ti­o­nen.5

Der Zusammenhang zwischen emotionaler, mentaler und muskulärer Ebene wurde in mei­ner Arbeit als Lehrerin für Alexandertechnik immer wichtiger. Ich versuche, meine Schüler durch die Anwendung der Prinzipien der Alexan­­­dertechnik darin zu unterstützen, ihre Gefühle, Glau­bens­­systeme, ihre Persön­lich­keits­­struktur mit ihren indivi­duellen Span­nungs­­mustern in Zusammen­hang zu bringen und auf allen Ebenen zu betrachten. Der Zugang zum eigenen Selbst und Selbst-Bewusstheit sind m. E. die Voraus­setzung für das Erkennen und Wahr­nehmen von Veränderungs­richtungen und Alter­na­ti­ven. Dieses Potenzial wird sichtbar, wenn wir die Bedeutung von Span­nungs­mus­tern im Prozess des Lo­slassens erkennen.

Psyche – Atem und Lebenskraft

[gr. psychein hauchen]

bedeutet urspr. Hauch, dann Atem. Der Atem als Kenn­zei­chen des Lebens führte zur Gleichsetzung der Psyche mit dem Leben, der Lebens­kraft und Le­­bens­energie, zuletzt mit der Seele als dem Lebensprinzip. Atmen heißt fühlen und eine ein­geschränkte Atmung, ein verengter Brustkorb und eine einge­schränkte Tätigkeit des Zwerch­fells verhindern bestimmte Empfindungen des Körpers und Gefühlszustände. Wenn wir flach atmen, verringern wir die Menge an aufgenommener Luft und gleichzeitig das Vo­lu­men unserer Lungen, unseres Brust- und Bauch­­­raums. Eine flache und hastige Atmung führt zu Gefühlen der Angst, Nervosität und Unbehagen im Organismus.

„Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass bestimmte Empfindungen den Körper in bestimmter Weise beeinflussen und doch andererseits die Struktur und die Funktionen des Körpers die Voraussetzung für bestimmte Gefühlszustände sind. Wenn z.B. bestimmte Atemmuster als Abwehrmechanismen gegen das Erleben bestimmter Gefühle entwickelt werden, beginnen die Muskeln und das darunter liegende Zwerchfell, sich zu verhärten und zusammen­zuziehen und so ein unbewegliches Korsett voller Spannung um die Lungen zu legen.“6

Alexander ging davon aus, dass eine ausgeglichene Muskelspannung im Organismus die Voraussetzung für eine optimale Koordination und den natürlichen Fluss der Atmung ist.

Das Zusammenspiel von Muskeln, Organen, Rippen und der feinen Mecha­nis­men, die am Atemvorgang beteiligt sind, macht deutlich, dass die Voraussetzung für eine frei fließende At­mung ein entspannter, gesunder Körper bzw. ein gesundes Körper­bewusstsein ist. Wird die Atmung nicht blockiert, gelangen die in den Eingeweiden, im Bauchraum ent­stehen­den Empfindungen/Gefühle in die Brustregion und können „auf dem Weg dorthin“ be­wusst wahr­genommen, diffe­renziert und schließlich in Gestik, Mimik, in Handlung um­­gesetzt werden.

Eine Blockierung und Verflachung der Atmung verur­sacht eine Blockierung und Be­schrän­kung der Emotionen und Gefühle, so dass sie in ihrer Bedeutung als „Rat­geber“, als Res­sour­­ce für eine aus­ge­wogene see­lische Verfassung, eine klare Wahr­neh­mung und ange­mes­senes Handeln nicht zur Ver­fü­gung stehen.

Emotion und Gefühl

Wir nehmen Körperzustände wahr, wenn wir Emotionen fühlen. Gefühle sind notwendig zur Wahrneh­mung des durch Emotionen veränderten Körpers. (William James)

Emotion (emovere: herausbewegen) bezeichnet (von Geburt an) das Erleben und den Aus­druck von Freude, Angst, Trauer, Neugier und Ärger, später auch Schuld, Scham, Neid usw. Jede Erfahrung, jedes Erlebnis ist mit Emotionen verbunden, jede Emotion hat eine be­stimmte Erlebnisqualität und besitzt eine Motivation für ein bestimmtes Verhalten.

Die Evolution hat zuerst die Emotionen, dann – mit der Entwicklung der jüngeren Hirnstruk­turen – die Gefühle hervorgebracht. Emotionen sind Motor für automatische Reak­tionen auf Reize, die auf unbewusste Art das Überleben des Organismus sicher(te)n und die sich des­halb durchgesetzt haben. Emotionen sind vorübergehende Verän­derungen im Orga­nis­mus, werden sie von uns be­wusst wahrgenommen, so spricht man von Gefühl. Als Gefühl be­zeich­net Damasio die Re­prä­­sentation der vorüber­gehenden Veränderungen im Orga­nismus in Form neuronaler Mus­ter und den damit verbun­denen Vorstellungen.7

Das Gefühl wird also nicht im Körper, sondern in der Repräsentation des Körperschemas im Gehirn wahrgenommen. Die Basis für diese Wahrnehmung wird in der Kartierung des Kör­pers im Gehirn geschaffen. Diese Karten bilden Teile des Körpers und seine Zustände ab.

Mein Unterricht zielt daher immer darauf ab, über die Berührung mit den Händen, Körper­schema und Körperzustände bewusst zu machen, zu formulieren und Karten im Gehirn (wie­der) anzulegen und durch den Dialog zwischen Gehirn und Körper eine verläs­s­liche Sinnes­wahr­nehmung (wieder) anzueignen.

Ausblick – Mittel der Veränderung

„Der Prozess des Fühlens hat Orientierungsfunktion und macht den Organismus aufmerksam auf ein Problem, mit dessen Lösung die Emotion begonnen hat.8

Im Mittelpunkt meines Unterrichts steht die Vermittlung der Prinzipien der Alexandertechnik mit dem Ziel, dass die Schüler sich durch das Loslassen übermäßiger Muskelspannung zur Re­akti­vierung der Aufrichtungsreflexe ihren Kör­per wieder aneignen und sich (langfristig) wieder auf ihre Emotionen, ihr Füh­len und Denken als Wah­r­nehmungs- und Orientie­rungs­funk­tionen ver­­las­sen können. Das Erlernen der Alexan­der­­technik kann zum Erleben des Zu­sammenhangs zwischen Kör­per, Geist und Emotion füh­ren. Das Wissen um diesen Zusam­men­hang und ihr Zusam­men­wirken wird mit der An­wen­dung der Methode zur kinästhe­ti­schen Erfahrung.

Die Aufmerksamkeit bei der Vermittlung der Alexandertechnik liegt auf den ungünstigen Pro­zesse, die Ursache für Beschwerden, (Selbst-)Blockaden oder Abspaltungen sind und die einer Veränderung von Bewegungs- oder Verhaltens-stereotypen im Weg stehen. Die Metho­de und ihre Wirkung zeigen, dass wir alles, was wir für eine gewünschte Verän­derung brau­chen, in uns haben: die Probleme und auch die Mittel für eine Lösung.

„Inhibition“ und „Direction“, Prinzipen unseres Nervensystems, setzt die Alexandertechnik be­wusst als Mittel ein, um den Neokortex, den jüngsten Teil des Gehirns, für das bewusste He­raus­springen aus dem „alten System“, für die mentale Ausrichtung auf ein ge­wünsch­tes Ver­hal­­ten zu nutzen.

Das Loslassen von Muskelspannung führt langfristig zum Loslassen von Vorstellungen über sich selbst, das eigene Denken und Fühlen. Dazu gehört eine ehrliche Selbst­beobachtung, um die Anteile, Emotionen und Ge­dan­ken zu akzeptieren und zu integrieren, die vorher ein „Schattendasein“ geführt haben. Jeder dieser Aspekte findet seinen Ausdruck im Körper­schema, im Muskeltonus, in der Haltung… .

Die Arbeit mit Modellen aus der Psychologischen Beratung setze ich auf Wunsch ein: Wenn Schüler daran interessiert sind, einen bestimmten Aspekt (z. B. ein Thema, ein Gefühl, eine Überzeugung) „genauer unter die Lupe zu nehmen“, biete ich verschiedene Werk­­zeuge an, um einzelne Aspekte abzugrenzen und zu betrachten.

Die Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen und die „Aufstellung verschiedener Anteile“ ist sehr hilf­reich, um vor allem in Phasen der Desorientierung Klärung und Unter­stützung anzubieten. Die Wirkmechanismen der Arbeit mit diesem Modell und der Alexandertechnik sind prin­zipiell identisch. Die Schüler können die bekannten Prinzipien aus der Alexandertechnik hier direkt anwen­den:

Bewusstwerden der Muster

  • Bewusstwerden der eigenen Muster
  • Selbstwahrnehmung
  • Selbstkontrolle durch Inhibition
  • Entdecken der Wahlfähigkeit
  • Vorstellen des gewünschten Verhaltens (Probehandeln)
  • Beobachten der „Mittel wodurch“ und die
  • Wahrnehmung der Wirkungen, d.h.
  • Selbstwahrnehmung … und der Kreis wird von Neuem durchlaufen.

Die Arbeit mit Glaubenssätzen ist geeignet, um Glau­bens­­sätze, die immer mit starken Emo­tionen verbunden sind, aufzu­decken und bewusst zu machen, auf welche Art und Weise sie sich in Körperteilen oder Körperzuständen zei­gen und wie sie das Handeln bestimmen.

Die Alexandertechnik schätze ich sehr aufgrund ihres besonderen Spektrums in der An­wen­dung. Sie eignet sich für die Prophylaxe, für die Lin­derung oder Hei­lung kleinerer oder grö­ßerer körperlicher Be­schwerden bis hin zur Persön­lich­keits­ent­wicklung und Selbst­erfah­rung durch die permanente „Wiederholung“ ihrer Prinzipien. Ihre Besonderheit liegt für mich darin, dass die Menschen lernen, sie selbst anzuwenden.

Das Potenzial der Alexan­der­technik ist so groß, wie ihre Anwendung durch den individuellen Menschen.

1 Egal, welche grammatischen Formen ich im Text verwende, es sind immer Frauen und Männer, Lehrerinnen, Lehrer, Schülerinnen, Schüler, Klientinnen und Klienten gemeint.

2 Alexander, F. M. (2001): Der Gebrauch des Selbst. Freiburg 2001, S. 11. (Erstausgabe: The Use oft the Self, 1932). Künft. Zit.: Alexander 2001.

3 Alexander 2001, S. 2-3

4 Barlow, Wilfrid.: The Alexander Principle. Dt.: Die Alexander-Technik. Gesundheit und Le­bensqualität durch den rich­tigen Gebrauch des Körpers. München 1984. Zit. nach: Gelb, Michael: Körperdynamik. Eine Einführung in die Alexan­der-Technik. Frankfurt/Main, Berlin 1999, S. 39. Künft. Zit.: Gelb 1999.

5 Vgl. Gelb 1999 : 39 – 40.

6 Dychtwald, Ken (1981): Körperbewusstsein: Eine Synthese der östlichen & westlichen Wege zur Selbst-Wahrnehmung, Gesundheit & persönlichem Wachstum. Essen, S. 157.

7 Vgl. Damasio, A.R. (2005): Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. Berlin, S. 102-107.

8 Müller, L, Müller, A. (Hrsg.): Wörterbuch der analytischen Psychologie. Düsseldorf und Zürich 2003, S. 100.